Vom Energieunternehmen zur Gigawatt Factory
Marco Beyer und Franziska König gaben einen Überblick über den aktuellen Stand der Unternehmenstransformation der LEAG. Mit dem schrittweisen Ende der Kohleverstromung verändert sich das Geschäftsmodell grundlegend. Im Mittelpunkt steht der Aufbau neuer Kapazitäten für eine zunehmend erneuerbare und flexible Energieversorgung.
Wie konkret dieser Wandel bereits ist, zeigte der Blick auf laufende und geplante Projekte. Dazu gehören unter anderem der Windpark Forst-Briesnig, der Energiepark Bohrau, Floating-PV am Cottbuser Ostsee sowie Batteriespeicher in Jänschwalde und Boxberg. Für den Windpark Cottbus-Ost ist die Inbetriebnahme nach derzeitiger Planung 2028 vorgesehen. Ergänzt werden die erneuerbaren Energien perspektivisch durch H₂-ready-Gaskraftwerke und Speichertechnologien.
Auch Projekte direkt in Cottbus spielen eine Rolle. Gemeinsam mit Cottbusverkehr arbeitet die LEAG an einer Wasserstofftankstelle. Bei der Nutzung von Seewasserwärme aus dem Cottbuser Ostsee unterstützt sie die Stadtwerke Cottbus.
Besondere Bedeutung hat die künftige Wärmeversorgung der Stadt. Mit dem Ende der Kohleverstromung in Jänschwalde Ende 2028 müssen bestehende Strukturen neu organisiert werden. Ab 2029 soll die Wärmeversorgung gemeinschaftlich mit den Stadtwerken Cottbus abgesichert werden. Eine Taskforce Wärme unter Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters begleitet diesen Prozess. Deutlich wurde beim Treffen vor allem eines: Für die großen Transformationsaufgaben sind abgestimmte und partnerschaftliche Lösungen erforderlich.
Universitätsmedizin wächst mit bemerkenswertem Tempo
Einen zweiten Blick in die Zukunft des Standortes gaben Vertreter der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem. Die erst 2024 gegründete Universitätsmedizin steht inzwischen unmittelbar vor dem Studienstart. Zum Wintersemester 2026/27 beginnen die ersten 36 Studierenden ihr Medizinstudium in Cottbus.
Das Interesse ist groß: Mehr als 8.000 Bewerbungen gingen für die ersten Studienplätze ein. Der Modellstudiengang ist unter anderem patientenzentriert, interprofessionell und stark auf Digitalisierung ausgerichtet. Bereits während des Studiums soll die praktische Arbeit mit Patientinnen und Patienten eine wichtige Rolle spielen.
Die Dimension des Vorhabens ist erheblich. Bis 2035 sollen 80 Professuren besetzt werden, rund 1.300 neue Arbeitsplätze entstehen und etwa 31.000 Quadratmeter neue Flächen auf dem Gelände der MUL-CT entwickelt werden. Für Aufbau und Betrieb von Forschung und Lehre sowie für Investitionen sind insgesamt rund 3,7 Milliarden Euro aus Bundes- und Landesmitteln vorgesehen.
Martin Peuker, Vorstand Digitalisierung der MUL-CT, stellte zudem die Digitalisierungsstrategie der Universität vor. Ziel ist eine von Grund auf digital gedachte Gesundheitsversorgung. Dazu gehören neue Versorgungsmodelle, Telemedizin und KI-gestützte Diagnostik sowie Strukturen, mit denen digitale Innovationen von der Forschung bis in die praktische Anwendung gebracht werden können.
Die MUL-CT übernimmt darüber hinaus eine koordinierende Rolle in der Modellregion Gesundheit Lausitz, in der rund 600.000 Menschen leben. Sie soll neue Versorgungskonzepte entwickeln, erproben und in die Fläche übertragen.
Wissen, was nebenan passiert
Für die EGC sind die Gewerbegebietstreffen ein wichtiger Bestandteil des Unternehmensservice. Sie bringen Unternehmen eines Standortes miteinander ins Gespräch und schaffen die Möglichkeit, Entwicklungen frühzeitig kennenzulernen, die auch für andere Betriebe relevant werden können.
Gerade das Treffen in der Südvorstadt zeigte, wie stark sich Cottbus derzeit verändert. Energiewirtschaft und Universitätsmedizin entwickeln neue Geschäftsfelder, schaffen Infrastruktur und ziehen zusätzliche Fachkräfte, Unternehmen und Kooperationen an. Daraus ergeben sich auch für bestehende Unternehmen neue Anknüpfungspunkte.
Unser Dank gilt der LEAG für die Gastfreundschaft im Barbarasaal, den Referenten für die offenen Einblicke und allen Teilnehmenden für den intensiven Austausch.